Editorial

Bücher haben kein Verfallsdatum!

 

Diese Behauptung kann man derzeit öfter lesen, vorzugsweise bei den kleineren, unabhängigen Verlagen (»Indies«), die sich von der saisonalen Aktualitätenflut der Konzerne absetzen möchten. Wie die eben erscheinenden Frühjahrsnovitäten die Bücher des letzten Jahres aus den Buchhandlungen und dem Interesse der Medien hinwegspülen, mit ihrer auftrumpfenden Neuheit alles Frühere vergessen machen möchten, das sehen auch wir mit einem weinenden Auge. Trotzdem sind auch wir natürlich neugierig auf die Titel, die jetzt zur Leipziger Buchmesse erscheinen und allenthalben bei Lesungen präsentiert werden, freuen uns auf die Entdeckungen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sie in den kommenden Ausgaben vorstellen möchten.

Aber noch einmal zum Verfallsdatum. Verderblich wie Lebensmittel können Bücher eigentlich nicht sein, ungenießbar schon, und wie sich Taschenbücher aus den letzten Jahrzehnten auflösen, durch herausfallende Seiten und unzumutbare Typografie unlesbar werden, hat wohl jeder schon erlebt. Was sich in den inzwischen überall herumstehenden öffentlichen Bücherschränken findet, dient öfter eher der privaten Altpapierentsorgung als der großzügigen Weitergabe von Lesestoff. Selbst wenn sich darin gelegentlich literarische Perlen finden, sind diese Regale doch vor allem Ausdruck einer Massenproduktion, bei der weder der Gedanke an Mindesthaltbarkeit noch das Bewusstsein von Nachhaltigkeit eine Rolle spielen.

In das Kapitel Nachhaltigkeit könnte man die sorgsame Pflege von AutorInnen packen, und das beste Beispiel dafür ist der Umgang mit dem Werk unserer Titelgestalt Yoko Tawada, das seit über dreißig Jahren von Claudia Gehrke in Tübingen betreut wird – der wir nachträglich zum 40-jährigen Bestehen ihres Konkursbuch-Verlags gratulieren. Solche Jubiläen machen Mut und nähren die Hoffnung, dass die Buchbranche eine Zukunft hat!

In diesem Sinne wünscht einen anregenden Lesefrühling

Ihre Irene Ferchl mit dem Team

Nach oben

PDF-Datei

02_2019_Editorial.pdf

Editorial als PDF-Datei zum Download

739 K