Editorial

In einem Buch zu blättern …

in einem Buch mit einem attraktiven Umschlag, ordentlich gebunden, mit einer gut lesbaren Typografie und einem ansprechenden Seitenlayout, vielleicht sogar mit einem Lesebändchen ausgestattet, das ist für viele Menschen eine Freude. Zugleich ist es etwas derart Selbstverständliches, so normal und alltäglich, dass man darüber kaum nachdenkt, höchstens bei einem besonders schönen Buch oder wenn einem bei einem alten Taschenbuch die losen Seiten entgegenfallen und man sich wundert, wie ein umfangreicher Roman mit solchen Buchstabenfriedhofseiten jemals gelesen werden konnte.

Auf der anderen Seiten arbeiten die meisten von uns inzwischen am Bildschirm, recherchieren natürlich im Internet statt in Enzyklopädien, erledigen dies und jenes mit dem Smartphone.

Doch nicht wenige NutzerInnen der Deutschen Nationalbibliothek mit Standorten in Frankfurt und Leipzig haben sich gewundert, als ihnen zu Beginn des Winters in den Lesesälen nicht mehr das vorbestellte Buch ausgehändigt, sondern ein Digitalisat an einem der bibliothekseigenen Computer zur Verfügung gestellt wurde. Es gilt dort: Wenn ein Werk sowohl gedruckt als auch elektronisch vorhanden ist, erhält man ungefragt letzteres, darf es ohnedies nur vor Ort und nicht auf dem eigenen Laptop lesen. Begründet wird der Vorrang des Digitalen mit – man höre und staune – dem »Bestandsschutz«. Ein nicht aus dem Regal genommenes, nicht aufgeschlagenes, nicht durchgeblättertes Buch wird geschont, das leuchtet ein, aber war es bisher nicht die edelste Aufgabe einer Bibliothek, Bücher zur Lektüre bereitzuhalten?! Selbst wenn es sich bei der DNB um ein Archiv aller in Deutschland veröffentlichten Werke (rund 30 Millionen Medieneinheiten) handelt.

Auf der Leipziger Buchmesse Ende März wird gewiss wieder von den vielen schönen neuen Büchern die Rede sein, den gedruckten natürlich, in denen man genussvoll blättern kann.

Viel Freude dabei wünscht

Irene Ferchl

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