Editorial

Vor kurzem

flatterte uns eine Einladung in die Redaktion: »Das saarländische Literaturportal geht online!« Noch angeregt von unserem 2016 verstorbenen Kolumnisten, dem Literaturtopografen Fred Oberhauser, gibt es nun eine umfassende Website zu einem der kleinsten Bundesländer. Ein Anlass, mal nachzusehen, wie es zwischen Kiel und München, Mainz und Dresden ansonsten um den Auftritt der regionalen Literaturszene im Internet bestellt ist.

Nicht schlecht eigentlich: In Bayern wird einem »das Blaue vom Himmel« versprochen, in NRW »Literatur im Netz« angeboten, in Berlin-Brandenburg ein »Literaturport«. In Niedersachen gibt es eine Literaturdatenbank, in der Mitte ein Hessenweb, ganz im Nordosten heißt es »Auf nach Mecklenburg-Vorpommern«, in Sachsen-Anhalt öffnet sich ein »Fenster in die Literatur«, im Kulturland Sachsen geht es um »Literatur und Sprache« und Thüringen ist schlicht ein »Literaturland«.

Und hierzulande?

»In Baden-Württemberg ist große Weltliteratur zuhause: Zahlreiche Schriftsteller und Philosophen von Weltruf haben hier gelebt und gewirkt. Ob Schiller, Hesse oder Heidegger… « steht auf der Tourismus-Seite zu lesen, samt Verweis auf fünf Museen. Unter »Literaturland Baden-Württemberg« finden sich dann weitere 85 Museen und Gedenkstätten, eine Handvoll Ausstellungen und knapp ein Dutzend Veranstaltungen im nächsten halben Jahr. Lebende Autoren? Literaturhäuser? Literaturzeitschriften? Fehlanzeige. Dabei ist man eigentlich so stolz auf die schier unüberschaubare Menge an Festivals und Veranstaltungen, Preisen und Stipendien.

Manche erinnern sich noch dunkel, dass es vor einigen Jahren einen gut dotierten Versuch gab, doch der Anschub ging ins Leere.

Unter dem Eindruck eines Defizits wurde schon 1993 das Literaturblatt gegründet, nun geht es in den 25. Jahrgang, und es ist im digitalen Zeitalter als gedruckte Zeitschrift (ohne Geld vom Land!) noch immer Repräsentant einer der lebendigsten Szenen. Das verwundert und freut uns!

Wir wünschen Ihnen allen ein friedliches und literarisches neues Jahr!

Ihre Irene Ferchl mit dem Team

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